Leseprobe aus „Die 5 Schritte Methode zum Ängste überwinden“

„Der steigende Angstpegel in unserer Gesellschaft – und wie Angst Dir Deine Freiheit raubt

Ängste sind gut und wichtig! Jeder psychisch gesunde Mensch hat Angst. Zum Glück! Denn ohne Ängste hätten wir Menschen nicht lange überlebt. Unsere Angst ist unser inneres Warnsystem, das es uns ermöglicht, auf Gefahren rechtzeitig zu reagieren und uns so vor Schaden zu bewahren.

Problematisch werden unsere Ängste nur dann für uns, wenn sie überzogen oder vollständig von einer real existierenden Gefahr abgekoppelt sind und uns im Alltag kontinuierlich lähmen, blockieren, schwächen oder uns gar krank machen. Und tatsächlich nehmen solche überzogenen oder von realen Gefahren abgekoppelte, „sich verselbständigende“ Ängste in unserer Gesellschaft zu. Du wirst später erfahren, warum das so ist.

Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, dass mehr als 15% der deutschen Bevölkerung unter einer Angststörung, also unter regelmäßig auftretenden Ängsten litten, die für sie auch eine Beeinträchtigung im Alltag darstellten. Diese Zahl ist tatsächlich alarmierend.

Aber warum ist das eigentlich so? Warum nehmen Ängste so stark zu? Und warum verstärken sie sich bei den meisten Menschen im Laufe ihres Lebens immer weiter?

Ich persönlich halte unseren heutigen Lebensstil für tendenziell angstfördernd. Bei allen Vorteilen und Freiheiten, die er uns bringt, so tragen doch verschiedene Faktoren dazu bei, dass wir uns oft zunehmend unsicherer und unruhiger fühlen, und wenn diese Faktoren sich in unserem Leben aufsummieren, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir Ängste entwickeln, entsprechend an.

Zu diesen angstbegünstigenden Faktoren zählen zum Beispiel das Wegfallen oder Abnehmen von sicheren Bindungen und von verlässlichem Zusammenhalt in sozialen Gruppen, und das abnehmende Gefühl von dauerhafter Zugehörigkeit zu einer Gruppe, aber auch der Rückgang von persönlichem Kontakt, Berührung und körperlicher Nähe zugunsten der Verlagerung von Kontaktführung auf digitale Medien.

Auch das Verschwinden von Gottesglaube und Religion als stabilisierender und haltgebender Faktor kann eine Rolle spielen, insbesondere dann, wenn Menschen mit schweren Schicksalsschlägen konfrontiert werden.

Eine weitere Komponente, über die bis heute wenig gesprochen wird, ist die Tatsache, dass zahlreiche Traumata, die im zweiten Weltkrieg entstanden sind, in vielen Familien bis heute unter der Oberfläche lebendig sind und über die Generationen (oft in sich abschwächender Form) weiter gegeben werden, sodass auch die zweite und dritte Nachkriegsgeneration nicht selten noch mit einem verletzten Urvertrauen infolge damals entstandener schwerer Traumata zu kämpfen hat.

Auch die überwiegend negative Nachrichten- und Medienwelt, die wir heute sehr viel häufiger und intensiver konsumieren als früher, trägt dazu bei, Ängste zu schüren.

Und nicht zuletzt kann ein Mangel an Bewegung in Kombination mit einem steigenden Stresshormonpegel in unserem Körper dazu führen, dass unsere innere Unruhe weiter zunimmt, weil die Stresshormone in unserem Körper nicht ausreichend abgebaut werden können.

Kurz: Es gibt einige neue Faktoren im digitalen Zeitalter, die zu den Faktoren der letzten Jahrzehnte (der Moderne) hinzu kommen, welche unser Gefühl von innerer Unruhe und Unsicherheit zusätzlich anheben und verstärken und so auch die Entstehung von Ängsten ganz allgemein weiter begünstigen.

Du findest deshalb im dritten Teil dieses Buches 6 praktische Rezepte, die Dein allgemeines Angstlevel und Deine Anfälligkeit für Ängste und innere Unruhe senken. Sie helfen Dir, Stabilität, Urvertrauen, Geborgenheit und innere Ruhe zu finden und dienen so zur langfristigen Vorbeugung gegen die Entstehung und Verstärkung von (neuen und alten) Ängsten.

Zuvor werden wir jedoch im zweiten Teil des Buches die Ängste, die Dich im Moment belasten, in einem bewährten und gezielten 5 Schritte Prozess auflösen. Du wirst ganz genau erfahren, was Du dafür tun und wie Du vorgehen kannst, und Du kannst diesen Prozess auch anwenden, um Dich von bereits lange bestehenden Angststörungen zu befreien.

Bevor wir damit beginnen, werden wir uns nun im ersten Teil des Buches Deine Angst einmal näher ansehen, um sie (und damit auch Dich selbst!) besser zu verstehen.

Du wirst dabei den sogenannten Angstkreislauf kennenlernen, und verstehen, wie und wodurch Deine Angst tatsächlich entstanden ist und immer wieder neu entsteht – und warum sie sich mit den Jahren so oft immer weiter verstärkt.

Wenn Du mehrere belastende Ängste hast, von denen Du Dich mit diesem Buch befreien möchtest, so empfehle ich Dir, die Teile I und II des Buches für jede Deiner Ängste gesondert durch zu arbeiten.

Gönne Dir dafür genügend Zeit und sei liebevoll und geduldig mit Dir selbst. Bei größeren Ängsten oder Angststörungen hat es sich bewährt, etwa 4-8 Wochen für die Überwindung einer Angst einzuplanen (manchmal auch länger) und die Teile I und II des Buches in dieser Zeit durchzuarbeiten.

Ansonsten finde einfach Deinen eigenen Zeitrahmen, der Dir gut tut und der Dich nicht unter Druck setzt.

Unsere Ängste legen uns Ketten an. Denn sie lassen uns die Situationen vermeiden, vor denen wir Angst haben. Weil Ängste sich mit der Zeit verstärken, wenn wir sie nicht auflösen (warum das so ist, erfährst Du später), wird unser Bewegungsradius mit den Jahren so immer kleiner. Wir werden immer unfreier, weil wir uns hinter den wachsenden Mauern unserer Angst verstecken…

Ja, kaum etwas raubt uns in der Moderne so klammheimlich unsere Freiheit wie unsere eigenen Ängste!

Doch die gute Nachricht ist:

Sie sind auflösbar!

Also lass uns gleich beginnen, Dich endlich von Deinen Ängsten befreien und Dir Deine Freiheit zurückholen! J

Ich wünsche Dir von Herzen ein angstfreies Leben in Leichtigkeit! Du hast es so sehr verdient! Und dieses Leben wartet auch schon auf Dich…

Ganz viel Erfolg bei der Umsetzung dieses Programms und auf Deinem Weg zurück in die Freiheit!

Deine Cosima Sieger

 

TEIL I – ÄNGSTE IN DER TIEFE VERSTEHEN

Die 2 wahren Ursachen Deiner Angst

Angst empfinden wir in dem Moment, in dem wir mit einem Angstreiz konfrontiert werden. Bei diesem Angstreiz kann es sich um ein Objekt oder um eine Situation handeln. Es können aber auch unsere eigenen Gedanken sein, die Ängste in uns auslösen, zum Beispiel wenn wir an etwas denken, das uns bedrohlich oder gefährlich erscheint, oder wenn wir Angst vor unserer eigenen Angst (oder einer Panikattacke) haben.

Unser Körper reagiert auf unsere Angst mit (Stress-) Reaktionen wie Herzrasen, Schwindel, Atemnot oder stockendem Atem, muskulärer Anspannung oder dauerhaften Verspannungen, Muskelzuckungen oder Zittern, Schwitzen, Stottern, Erröten und vielem mehr.

Doch wann erscheint uns ein Objekt, eine Situation oder ein Gedanke eigentlich als bedrohlich und löst Angst in uns aus?

Und wenn Angst ein natürlicher Selbstschutzmechanismus des Menschen ist: warum machen dann bestimmte Dinge, Situationen, Objekte und Gedanken manchen Menschen Angst und anderen nicht?

Um unsere eigene Angst zu verstehen und sie auflösen zu können, müssen wir die beiden wahren Ursachen von Angst kennen. Es gibt nämlich im Wesentlichen nur zwei Gründe, warum eine Situation oder ein Objekt uns ängstigt. Und das sind sie:

Grund 1, warum eine Situation oder ein Objekt uns Angst macht

Wir bewerten den Angstauslöser als gefährlicher oder bedrohlicher, als er wirklich ist. Wichtig ist hier zu verstehen, dass unsere eigene BEWERTUNG der Sache unsere Angst auslöst (unsere Angst wird also durch einen bestimmten Gedanken verursacht).

Grund 2, warum eine Situation oder ein Objekt uns Angst macht

Wir bewerten den Angstauslöser in seinem Gefahrenpotenzial realistisch, aber wir fühlen uns ihm nicht gewachsen und fürchten, nicht mit ihm umgehen zu können. Die Betonung liegt hier auf dem SELBSTBILD, das wir VON UNS haben – nämlich, dass wir uns in Anbetracht des Angstauslösers klein, ohnmächtig, hilflos und unterlegen und uns in gewisser Weise der Welt nicht gewachsen fühlen.  

Nun hast Du vielleicht auch schon eine erste Vorahnung, an welchen Punkten wir ansetzen werden, um Deine Angst aufzulösen:

Je nachdem, welcher der beiden Gründe Deine Angst besonders stark auslöst, kannst Du Deine persönliche Bewertung des Angstauslösers verändern (wie, erfährst Du später ganz genau), oder aber Du kannst Dein eigenes Selbstbild verändern und praktische Kompetenzen aufbauen, die Dich in die Lage versetzen, problemlos, selbstverständlich, entspannt und erfolgreich mit Deinem Angstauslöser umzugehen (wie das geht, erfährst Du ebenfalls später ganz genau).

Manchmal liegen auch beide Gründe zusammen vor und lassen unseren Angstauslöser gleich doppelt so bedrohlich erscheinen. Aber keine Sorge, mit den 5 Schritten, die Du in Teil 2 des Buches kennen lernst, kannst Du beide Ursachen systematisch auflösen und Dich in beiden Fällen dauerhaft von Deiner Angst befreien.

Nun stellt sich aber natürlich zunächst die Frage, woher diese beiden Ursachen eigentlich kommen.

Und hier habe ich eine sehr gute Nachricht für Dich:

Die allermeisten Ängste sind erlernte Ängste. Genetische Faktoren können eine Rolle dabei spielen, ob und wie stark wir erlernte Ängste entwickeln. Neben unseren Genen spielen jedoch immer unsere Umwelt- und Entwicklungsfaktoren, also unsere persönlichen Erfahrungen in Kombination mit unserem Selbstbild, eine wichtige Rolle beim Entstehen von Ängsten – und die Folgen dieser Erfahrungen, sowie auch unser Selbstbild, können wir verändern.

Lass uns also genauer hinsehen bei der Frage nach dem „Warum?“ und mit Grund 1 beginnen:

Warum bewerten wir einen Reiz als bedrohlicher, als er tatsächlich ist? Stimmt mit unserem Urteilsvermögen etwas nicht? Oder sind wir womöglich verrückt?

Ganz im Gegenteil! Mit uns ist alles in Ordnung. Und wir haben sogar einen sehr guten Grund für unsere Einschätzung!

Wir bewerten einen Reiz in der Regel dann als gefährlich, wenn wir entweder selbst einmal erlebt haben, dass von ihm eine Gefahr oder Bedrohung für uns ausging, (auch wenn wir uns daran nicht mehr bewusst erinnern können), oder wenn wir beobachtet oder gehört haben, dass er für andere eine Gefahr dargestellt oder Leid verursacht hat.

In diesem Zusammenhang sind zwei Dinge spannend zu wissen, und können Dir vor allem dann helfen Dich selbst besser zu verstehen, wenn sich bestimmte Ängste in Dir ausgebildet haben, die Du Dir bis heute nicht erklären kannst, denn die meisten Menschen vermuten keinen Zusammenhang zwischen diesen beiden Faktoren und ihrer eigenen Angst – und doch sind sie ungeheuer mächtig und prägen uns stark.

Der erste spannende Faktor ist, dass wir als Kinder alle leidvollen Erfahrungen, die unsere Geschwister erleben, als ebenso leidvoll erfahren, wie diese selbst. Wir empfinden also das Leid unserer Geschwister genauso intensiv, beängstigend, bedrohlich oder schmerzhaft als wäre es uns selbst passiert. Mit anderen Worten: Die Traumata unserer Geschwister sind auch unsere Traumata.

Das erklärt auch, warum sich manchmal starke Ängste in uns ausprägen, von denen wir uns einfach nicht erklären können, wo sie her kommen und warum sie unser Leben so stark beeinflussen, obgleich wir selbst nie negative Erfahrungen mit dem Angstauslöser gemacht haben. Dieses Wissen kann vielleicht auch Dir helfen, den Ursprung Deiner Angst zu verstehen, falls Du anderweitig keine Erklärung für ihre Entstehung finden kannst.

Ein Beispiel für einen solchen Fall ist ein Perfektionist, mit dem ich mich vor kurzem unterhalten habe. Er kann sich einfach nicht erklären, warum er es nicht aushält, eine noch nicht perfekte oder vollkommende Arbeit abzuliefern und große Ängste davor hat, für Fehler und Schwächen verurteilt oder abgelehnt zu werden, obwohl er immer gute Leistungen erbracht und in seiner Familie stets bestätigt worden war. Er hatte in seiner Familie sogar die Rolle des vorbildlichen Sohnes inne.

Sein Bruder jedoch, mit dem er heute kaum noch Kontakt hat, war das „schwarze Schaf“ in der Familie und von seiner Mutter immerzu kritisiert und abgewertet worden, was diesen so stark beeinträchtigt hatte, dass er die Schule vorzeitig abbrach, sich in den Alkoholismus flüchtete und bis in sein fünftes Lebensjahrzehnt hinein keinen Job lange ausführen konnte.

Unser Perfektionist hat bereits seit Jahren keinen Kontakt zu seinem Bruder, da dieser sich in Groll von der ganzen Familie distanziert hat. Dennoch haben der Schmerz, das Leid und die Kränkungen, die sein Bruder als Kind erfahren hat, in ihm ebenso starke Spuren hinterlassen und Ängste ausgelöst, es könnte ihm einmal ebenso ergehen wie seinem Bruder, wenn er nicht weiterhin immerzu perfekt und fehlerlos auftritt. Er hatte das „Nicht Perfekt sein“ ohne es zu wissen in seinem inneren Bewertungssystem als große Gefahr eingestuft, und seine Angst davor bestimmt seitdem sein Leben. Ja, Perfektionismus ist Angst. Es ist die Angst vor Fehlern…

Aber nicht nur die negativen Erfahrungen, die wir selbst oder andere Menschen (zum Beispiel unsere Geschwister, aber auch andere Familienmitglieder, Freunde, Kollegen, Nachbarn oder andere Menschen in unserem Umfeld) machen, können Ängste in uns auslösen. Sondern wir übernehmen auch meist ganz automatisch die Ängste, die in unserer Familie und unserer Gesellschaft vorherrschen, sofern wir diese nicht bewusst erkennen, neu bewerten und als „nicht länger gefährlich“ einstufen. Und das ist auch schon der zweite Faktor, den ich Dir über die Entstehung von Ängsten mitgeben möchte, deren Ursache Du Dir womöglich nicht erklären kannst:

Wenn in unserer Familie oder in unserer Gesellschaft etwas im Allgemeinen als gefährlich oder bedrohlich eingestuft wird, dann übernehmen wir diesen Glaubenssatz in der Regel und bewerten diesen Reiz im Laufe unseres Lebens ebenfalls ganz automatisch als gefährlich, ohne selbst je eine konkrete negative Erfahrung damit gemacht oder beobachtet zu haben. Wir haben dann automatisch vor den gleichen Dingen Angst wie die soziale Gruppe, der wir angehören, also zum Beispiel unsere Familie oder unsere Kultur.

Das Übernehmen von Ängsten in einer sozialen Gruppe ist natürlich sehr hilfreich, wenn es sich um gefährliche Tatsachen (Naturgesetze) handelt, zum Beispiel um die Tatsache, dass wir uns Verbrennungen zuziehen, wenn unsere Haut mit kochendem Wasser in Berührung kommt, oder dass es lebensgefährlich für uns sein kann, wenn wir vor ein schnell fahrendes Auto laufen. Auf diese Weise können wir gefährliche Situationen vorbeugend meiden, ohne selbst damit schlechte Erfahrungen gemacht zu haben.

Oftmals beruhen die allgemeinen, in einer sozialen Gruppe vorherrschenden Ängste allerdings nicht auf solchen unbestreitbaren Naturgesetzen, sondern auf flexiblen Glaubenssätzen, die durch die Erfahrungen und Bewertungen fremder Menschen oder früherer Generationen entstanden sind, und die womöglich heute nicht mehr hilfreich und auch nicht mehr richtig sind. Es ließen sich dann für die gegenteilige Überzeugung und Bewertung ebenso viele Beweise finden, wie für den angstauslösenden Glaubenssatz, wenn man es denn versuchte.

Das Problem an solchen angstauslösenden allgemeinen Glaubenssätzen ist, dass sie sich oftmals hinter der Maske der Vernunft verstecken und so auch gerechtfertigt werden. Das führt dazu, dass wir sie fälschlicherweise für Tatsachen halten, und nicht merken, dass es sich in Wahrheit um flexible Bewertungen handelt, die auch ganz anders vorgenommen werden könnten.

Ein Beispiel dafür ist die im deutschsprachigen Raum verbreitete Angst, einen festangestellten Job aufzugeben und sich selbstständig zu machen, also die Angst vor der Selbständigkeit. Wir bewerten ein Angestelltenverhältnis oft als sicher und eine selbständige Tätigkeit als unsicher. In den USA würde diese Bewertung jedoch zum Beispiel völlig anders ausfallen, und das liegt bei weitem nicht nur an den dort geltenden abweichenden Arbeitnehmerschutzgesetzen. Für beide Überzeugungen lassen sich gute Argumente und Beweise finden.

Auch ein Jobverlust ist bei uns in der Regel mit stark angstauslösenden Bewertungen verbunden, obwohl wir im Vergleich zu anderen Ländern deutlich stärker in unserer Existenz abgesichert sind, und eigentlich weniger Angst haben müssten.

Solange uns bewusst ist, dass es sich bei allgemeinen, verbreiteten angstauslösenden Glaubenssätzen nicht immer um Tatsachen handelt, sondern oft auch um flexible Überzeugungen, die wir übernehmen oder auch hinterfragen und selbst zu einer anderen Einschätzung kommen können, ist alles in Ordnung und wir bleiben frei.

Wenn wir all diese Glaubenssätze jedoch unreflektiert als Tatsachen einordnen, werden wir den gleichen Ängsten unterworfen wie alle anderen Menschen in unserem Umfeld und machen uns so auch stärker manipulierbar.

Denn ein Mensch der Angst hat, ist bereit, vieles zu tun, um sich vor der vermeintlichen Gefahr zu schützen und sein tiefes Grundbedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen. Deshalb sind Menschen, die Angst haben, besonders manipulierbar. Die Medien und auch die Werbebranche wissen das seit langem…

Lass uns nun noch einmal kurz wiederholen, warum wir Ängste entwickeln, denen die Ursache Nr. 1 zugrunde liegt – warum wir also Situationen oder Objekte als gefährlicher einstufen, als sie tatsächlich sind:

Wir tun das, wenn wir selbst die Erfahrung gemacht oder beobachtet haben, dass diese Objekte oder Situationen gefährlich sind, oder wenn wir solche Geschichten von Dritten gehört haben. Besonders stark beeinflussen uns dabei neben unseren eigenen Erfahrungen die Erfahrungen unserer Geschwister und unserer Eltern. Wir tun das aber auch, wenn in unserer Familie und in unserer Gesellschaft die allgemeine Überzeugung herrscht, dass bestimmte Objekte oder Situationen als gefährlich oder bedrohlich einzustufen sind.

Wie aber sieht es nun mit Ängsten aus, denen Ursache Nr. 2 zugrunde liegt?

Warum fühlen wir uns bestimmten Objekten oder Situationen nicht gewachsen und fürchten, ihnen ausgeliefert zu sein und nicht mit ihnen umgehen zu können?

Auch hier beeinflussen uns die gleichen Faktoren wie bei Grund 1:

Wir entwickeln dann Angst, einer Situation nicht gewachsen zu sein, wenn wir selbst irgendwann in unserem Leben diese Erfahrung gemacht haben, wenn wir also in einer ähnlichen Situation erlebt haben, dass wir ihr nicht gewachsen waren, oder uns womöglich dabei blamiert, negatives Feedback erhalten, vermeintlich versagt, oder uns in eine Situation gebracht haben, die uns geschadet hat.

Ebenso können entsprechende Erfahrungen anderer Menschen, wie unserer Eltern, Freunde, Geschwister, Kollegen etc. die wir beobachtet oder von denen wir gehört haben, diese Ängste in uns auslösen. Wir alle kennen zum Beispiel das Phänomen des Fremdschämens, welches nur durch das Beobachten einer Situation die Angst in uns auslösen kann, in einer vergleichbaren Situation selbst einmal bloßgestellt zu werden.

Und auch hier beeinflussen uns zusätzlich allgemeine, angstfördernde Überzeugungen unserer Familie, der Medien und unserer Gesellschaft. Wir halten es schlichtweg für ganz normal, bestimmten Situationen nicht gewachsen zu sein, weil das in unserer Gesellschaft (oder in unserer Familie) alle tun.

Es kann aber auch sein, dass wir Angst haben, wenn wir uns in eine vollkommen neue Situation begeben, zu der wir noch keinerlei Referenzerfahrungen sammeln oder bei Anderen beobachten konnten. Wir wissen dann ganz einfach noch nicht, was uns erwartet.

Ob uns diese neue Situation nun Angst macht, oder ob sie Neugierde und Vorfreude in uns weckt, hängt größtenteils davon ab, wie stark unser Selbstvertrauen ausgeprägt ist, also unser Vertrauen in unsere Fähigkeit, neue Herausforderungen meistern und uns außerhalb unserer Komfortzone zurecht finden zu können.

Du siehst also:

Wenn wir vor Dingen Angst haben, die anderen Menschen scheinbar keine Angst machen, dann müssen wir nicht an unserem Urteilsvermögen zweifeln.

Wir haben in aller Regel negativere Erfahrungen machen oder beobachten müssen als andere Menschen, oder sind von bestimmten Überzeugungen in unserer Familie und unserem Umfeld negativer geprägt worden.  Manchmal kommt noch hinzu, dass genetische Faktoren bei uns die Entwicklung einer Angststörung zusätzlich begünstigen.

Für beides können wir nichts. Ich möchte Dich deshalb von Herzen ermutigen, Dich NICHT für Deine Ängste zu verurteilen, sondern Dich selbst liebevoll in den Arm zu nehmen und zu trösten. Selbstmitgefühl und Selbstfürsorge sind jetzt besonders wichtig für Dich!

Stell Dir vor, was Du tun würdest, wenn ein Kind voller Angst zu Dir kommen und bei Dir Schutz suchen würde. Würdest Du es verurteilen und niedermachen? Natürlich nicht. Du würdest es ganz sicher trösten, in den Arm nehmen und versuchen, ihm Wärme, Liebe und ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu schenken, damit es keine Angst mehr haben muss.

Schenke Dir selbst die gleiche Liebe und Fürsorge dafür, dass Du es im Moment nicht ganz leicht hast und unter Ängsten leiden musst. Du verdienst es!

Denn auch in Dir wohnt bis heute das kleine Kind, das sich früher einmal sehr erschreckt hat über die Dinge, die es erleben und mit ansehen musste…. Es hat manchmal immer noch Angst und möchte in den Arm genommen werden…“

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Der Angstkreislauf und die Schraube an der Du drehen musst, um Deine Angst aufzulösen

Doch was passiert nun genau, wenn wir vor etwas Angst haben? Und warum verstärkt sich unsere Angst mit der Zeit immer weiter?

Die Antwort auf diese Frage finden wir im sogenannten Angstkreislauf, in den wir geraten, wenn wir Angst haben. Dabei durchlaufen wir die folgenden 4 Schritte:

Schritt 1: Wir nehmen einen Reiz (eine Situation oder ein Objekt) wahr oder denken daran

Schritt 2. Wir bewerten oder interpretieren ihn als bedrohlich oder gefährlich

Schritt 3: Wir fühlen Emotionen von Stress und Angst

Schritt 4: Unser Körper schüttet Stresshormone aus und reagiert auf unsere Emotionen mit den typischen Angstsymptomen wie Herzrasen, Schwindel, Zittern, Schwitzen oder einer Panikattacke.

Die Folge: Wir bekommen häufig zusätzlich Angst vor den körperlichen Reaktionen unserer Angst, sodass wir beim nächsten Mal, wenn wir den Angstreiz wahrnehmen, mit noch mehr Angst (und den dazu gehörenden körperlichen Symptomen) reagieren:

Wir haben dann Angst vor dem Reiz selbst, und auch vor unserer Angstreaktion (zum Beispiel davor, in der Öffentlichkeit oder beim Autofahren eine Panikattacke zu bekommen oder in wichtigen Situationen zu erröten, zu stottern oder zu schwitzen).

Und so erscheint uns der Angstreiz von nun an noch bedrohlicher, was unseren Angstkreislauf noch weiter ankurbelt.

Manchmal nehmen wir übrigens den angstauslösenden Gedanken, der am Beginn des Kreislaufs steht, gar nicht (mehr) bewusst wahr, denn Gedanken laufen in einer enormen Geschwindigkeit und zu einem großen Teil automatisiert in uns ab. Wir glauben dann, unsere Panikattacke oder unsere schwitzenden Hände kamen aus heiterem Himmel. In Wahrheit ist ihr jedoch immer ein bewusster oder unbewusster Gedanke oder eine Erinnerung vorausgegangen.

Wir reagieren auf unsere Angst in der Regel damit, dass wir den Angstauslöser meiden, um unsere Angst nicht erleben zu müssen. Und das schränkt uns immer weiter in unserem Leben und unserem Alltag ein.

Oft rationalisieren wir unser Vermeidungsverhalten, und finden logische Gründe dafür (oder leiten Gründe her) um unser Verhalten vor uns selbst und Anderen zu rechtfertigen. Wir gestehen uns selbst nicht gerne ein, dass unser Verhalten in Wahrheit von Angst geleitet ist, und wir wissen es manchmal auch lange Zeit gar nicht.

Ein Beispiel dafür ist die Bindungsangst. Die Betroffenen erleben sich selbst in der Regel nicht als ängstlich und spüren auch keine Angst, weil sie ihrem Angstauslöser immer schon vorbeugend aus dem Weg gehen und ihren Bewegungsradius dadurch entsprechend einschränken. Sie rationalisieren ihre Entscheidung, sich langfristig nicht auf Beziehungen einzulassen damit, dass es einfach keine guten, interessanten oder vertrauenswürdigen Männer oder Frauen mehr gibt, oder dass es eben doch wieder der oder die „Falsche“ war, wenn sie eine beginnende Beziehung jedes Mal schnell wieder beenden, beim ersten Konflikt das Weite suchen oder eine Beziehung gar nicht erst entstehen lassen.

Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir uns unsere Ängste bewusst machen und uns ihnen stellen, insbesondere dann, wenn wir wiederkehrende Vermeidungsmuster bei uns bemerken, dass wir die Ursache unserer Angst verstehen, und dass wir sie in einem bewussten Prozess auflösen.

Das ist gar nicht so schwer wie Du vielleicht glaubst, denn wir können bei der Betrachtung des Angstkreislaufes etwas Spannendes feststellen:

Es ist immer zu allererst ein bestimmter GEDANKE, der unsere Angst auslöst (nämlich unsere Bewertung des Angstauslösers und unsere Einstufung des Angstauslösers als gefährlich oder bedrohlich).

Unsere Angst ist also gar kein Gefühl! Das Gefühl und die Körperreaktion, die wir erleben, wenn wir Angst haben, sind nur ein Resultat des „falschen“ Gedankens, den wir denken!

Unsere Angst ist ein Gedanke!

Das ist eine großartige Nachricht! Denn unsere Gedanken sind steuerbar – und somit auch veränderbar! Das bedarf etwas Übung und der richtigen Technik aber es ist absolut machbar!